Animal Crossing: New Horizons im Test

Reif für die Insel…

Animal Crossing zählt neben Super Mario, The Legend of Zelda und Pokémon zu den erfolgreichsten Spieleserien aus dem Hause Nintendo. Knapp sieben Jahre nach dem letzten Teil der Hauptserie feiert nun mit Animal Crossing: New Horizons der neueste Ableger auf der Switch sein Debut. Lohnt es sich, zu diesen neuen Horizonten aufzubrechen oder bleibt man im Zweifelsfall auch virtuell lieber zu Hause?

Erinnert sich eigentlich noch jemand an Audrey? Letztes Jahr hat ihr Enkel ein Bild von der Spielzeit seiner 87-jährigen Großmutter online gestellt – die gute Frau hat über 3.500 Stunden mit Animal Crossing: New Leaf am 3DS verbracht. Auch weniger ambitionierten Spielerinnen bietet Nintendo jetzt mit Animal Crossing: New Horizons einen Nachfolger für die Switch.

Im Grunde ist auch in Animal Crossing: New Horizons alles beim Alten geblieben. Das Spiel beginnt am Flughafen, wo der selbst erstellte Charakter (anfangs noch mit wenig Möglichkeiten zur Personalisierung) sein „Reif für die Insel“ Paket einlöst und aufbricht, um ein Leben auf einer einsamen Insel zu beginnen. Dort angekommen findet auch direkt das erste Aufeinandertreffen mit Tom Nook statt. Tom Nook ist ein Tanuki und leitet das Geschehen auf der Insel. In dieser Funktion erteilt er nicht nur gerne Aufträge, sondern kümmert sich auch um die Vergabe und Rückzahlung von Krediten – hätte das Tierreich seinen eigenen Tony Soprano, wäre das zweifellos Tom Nook. So überrascht es auch wenig, dass direkt nach der Ankunft auf der Insel auch schon der erste Kredit fällig ist, schließlich gibt‘s so einen Flug auf eine Insel und das Zelt, das als erste Behausung dient nicht umsonst. Und so beginnt sich die bunte, zuckersüß präsentierte Spirale des virtuellen Kapitalismus zu drehen.

In Animal Crossing: New Horizons gibt es zwei Währungen: Sternis und Nook Meilen (nach wem die wohl benannt sind?). Auf der Insel wachsen praktischerweise bereits einige Obstbäume, deren Früchte z.B. gegen Sternis verkauft werden können. Außerdem kann man aus Bäumen Äste schütteln, die als Material zur Herstellung von allerhand Dingen dienen – ein wesentliches Element in Animal Crossing: New Horizons. Mit den Sternis aus dem Verkauf von Obst kauft man also z.B. eine Bastelanleitung, mit der – die richtigen Materialien vorausgesetzt – eine Angel hergestellt werden kann, die das Fischen ermöglicht. Die gefangenen Fische können dann natürlich wieder gegen Sternis verkauft werden…

Nook Meilen sammelt man automatisch, indem man gewisse Aufgaben erfüllt, wie etwa Insekten zu fangen, jeden Tag einmal das Spiel zu starten oder das eigene zu Hause zu dekorieren – ein weiteres wichtiges Element, das auch in Animal Crossing: New Horizons nicht fehlt. Die so verdienten Nook Meilen können gegen Bastelanleitungen oder ein Flugticket auf eine fremde Insel eingetauscht werden. Diese Besuche auf fremden, zufällig vom Spiel generierten Inseln lohnen sich, denn dort findet man oft Früchte, mit denen zu Hause neue Obstbäume angepflanzt werden können. Gar nicht so selten trifft man auf diesen Inseln auch auf Charaktere, die ziellos herumwandern und nichts besseres zu tun haben, als nach einem Gespräch als neue Bewohner auf die eigene Insel zu ziehen – eine eigenwillige Form der Lebensgestaltung, aber neue Nachbarn auf die eigene Insel zu holen, lohnt sich. Mit der zunehmenden Anzahl an Inselbewohnern erhöhen sich nämlich auch die Möglichkeiten zur freien Gestaltung der eigenen Insel – so können später einzelne Gebäude versetzt oder die Umgebung durch Brücken über Flüsse oder Stufen auf Plateaus hinauf einfacher begehbar gemacht werden.

Auch Animal Crossing: New Horizons verwendet wieder die interne Systemuhr der Konsole. Konkret bedeutet das, dass die Insel dem Wechsel der Jahreszeiten unterliegt. Gewisse Fische oder Insekten tauchen z.B. nur zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten auf. Wer also das örtliche Museum mit allen Lebewesen füllen möchte, muss das Spiel regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg spielen. Auch die einzelnen Events orientieren sich immer an Datum und Uhrzeit. Eine Händlerin, die Rüben (das Produkt für das Animal Crossing Pendant zum Aktienhandel) verkauft, kommt z.B. nur am Sonntag Vormittag auf die Insel – verpasst man sie, muss man bis zum nächsten Sonntag warten. Nintendo hat auch bereits einige saisonale Events angekündigt, das erste davon wird der Häschentag Anfang April sein.

Alle Profile, die auf einer Konsole gespeichert sind, können die eigene Insel bevölkern und auf ihr spielen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass pro Konsole nur eine Insel möglich ist – man sollte also gut bedenken, für welche Insel man sich zu Beginn des Spiels entscheidet. Wer es gerne noch sozialer hat, kann auch – eine Nintendo Switch Online Mitgliedschaft vorausgesetzt – online die Inseln von Freunden besuchen oder Besuch von Freunden empfangen, um gemeinsam zu spielen. Die Kommunikationsmöglichkeiten im Spiel selbst sind stark begrenzt und es ist zwar möglich, mittels Smartphone App Textnachrichten im Spiel zu tippen (im Jahr 2020 – kein Scherz!) – in der Praxis gestaltet sich das aber sehr mühsam.

Ein besonderes Lob verdient die Lokalisierung von Animal Crossing: New Horizons. Seien es die flachen Wortwitze beim Fangen von Fischen („Ein Katzenwels! Fällst du auch immer auf die Flossen?“) oder die unterschiedlichen Sprechweisen der Inselbewohner, die vom norddeutschen Dialekt bis zur feinen Dame reichen – man merkt jederzeit, wieviel Liebe zum Detail in die Übersetzungsarbeit geflossen ist.

Generell entfaltet Animal Crossing: New Horizons seinen vollen Charme im Detail. Im Grunde habe ich die letzte Woche damit verbracht, Baumaterial und Geld zu sammeln, um Einrichtungsgegenstände für ein virtuelles Haus zu horten, einen ständig erneuerten Kredit abzubezahlen und Obst oder Fische zu verkaufen. Das klingt nicht sehr unterhaltsam. Die einzelnen Elemente des Spiels greifen aber so nahtlos ineinander, dass es mir tatsächlich Spaß macht, diese manchmal repetitiven Aufgaben zu erfüllen. Ich möchte mein Haus schön einrichten und mir endlich dieses Frisuren-Paket leisten, damit mein Charakter etwas mehr meiner Vorstellung entspricht. Außerdem wachsen immer noch keine Kirschen auf meiner Insel und ich möchte dem Museum alle Arten von Fischen spenden, damit ich sie mir später im Aquarium ansehen kann. Vielleicht vergrößere ich mein Haus doch noch und nehme dafür wieder bei Tom Nook einen Kredit auf. Oder ich beobachte nachts mal in Ruhe einfach nur den Himmel bei entspannter Musik – angeblich können Sternschnuppen vom Himmel fallen, die lassen sich doch bestimmt gewinnbringend verkaufen…

Auf einer anderen Insel habe ich Tanja getroffen – ihr Körper sieht aus wie der einer Katze und ihr Kopf gleicht einer Orange. Sie hält sich für eine Influencerin, ist sofort auf meine Insel gezogen und steht jetzt abends immer singend am Fluss. Es klingt schrecklich, aber es wäre nicht meine Insel ohne Tanja. Oder Strolch, diesen kleinen Hund, der ständig nur über’s Essen spricht. Oder Sylvia, die violette Känguru-Dame, die mir immer das Gefühl gibt, gerade zu stören, wenn ich sie anspreche. Animal Crossing: New Horizons hat einfach Charakter und ich werde ganz bestimmt noch für längere Zeit regelmäßig auf meine Insel kommen, um sie weiter zu gestalten.

Audrey, die Großmutter mit der Spielzeit von über 3.500 Stunden ist übrigens als Charakter in Animal Crossing: New Horizons verewigt worden. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Lage gibt es wohl keinen besseren Zeitpunkt, um in Audreys Fußstapfen zu treten und vielleicht im nächsten Teil von Animal Crossing selbst verewigt zu werden. Mir fällt jedenfalls kein Grund ein, jetzt nicht Animal Crossing: New Horizons zu spielen.


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Gewinnchance

Die Teilnahme war bis zum 21. April 16:59 möglich. Wir bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen!


Hinweis: Nintendo war so freundlich, uns für diesen Beitrag ein Testmuster des Spiels und ein Switch Lite Bundle zur Verfügung zu stellen.

9 Gedanken zu “Animal Crossing: New Horizons im Test

    • Hallo, danke für den Hinweis! Die Teilnahmebedingungen wurden bereits entsprechend korrigiert. Wir entschuldigen uns für die Verwirrung!

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